Lord Baden-Powell



Lord Baden-Powell



 

Lord Baden Powell

Vollständiger Name:
Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell of Gilwell

22.02.1857, † 8.01.1941

1907 bis 1941 war er Organisator und Leiter der engl. Pfadfinderbewegung

Geschichte:
22.02.1857 wurde er in London geboren. Er hatte 13 Geschwister. Sein voller Vorname lautete Robert Stephenson Smyth. Letzteren erhielt er als Andenken an einen seiner Vorfahren: den Seehelden und Abenteurer John Smyth.

Die Lust am Abenteuer und an der Naturbeobachtung wurde in Baden-Powell von seinem Großvater geweckt. Im Internat erwarb er Kenntnisse in der "Wissenschaft des Waldes". So nannte er die Suche nach Tierspuren und dergleichen. Mit Freunden unternahm er häufig Ausflüge in die Wildnis, wo sie ohne jegliche Hilfsmittel überlebten. Nachdem er das Internat abgeschlossenhatte, bewarb er sich um einen Ausbildungsplatz als Offizier der britischen Armee. Das Aufnahmeexamen legte er mit Glanz ab (als 2. von 717). Daraufhin wurde er sofort zum Unterleutnant befördert. Er diente in der Kavallerie. Bei seinen Kameraden war er sehr beliebt. Vor allem zeigte sich seine Begabung, die gelangweilten Militärs zu unterhalten: er sang im Offizierskasino, arrangierte Theateraufführungen, schrieb die Stücke und die Lieder selbst und brachte so Leben in die Bude. Wegen dieser Talente, seinem Geschick und seinen Kenntnissen der Wildnis wurde ihm die Ausbildung der Scouts (der Pfadfinder) übertragen. Diese wurden nicht im offenen Kampf eingesetzt, statt dessen mussten sie mit List und Lautlosigkeit nach Art nordamerikanischer Indianer und Trapper das gegnerische Lager auskundschaften. Seine Strategie bei der Ausbildung seiner Schützlinge lautete "Learning by doing". Er ließ ihnen in der Bewältigung ihrer Aufgaben weitestgehend freie Hand, gab lediglich Tipps und ließ sie so aus ihren eigenen Erfahrungen lernen. Er legte besonderen Wert auf Hilfsbereitschaft. Seine Schützlinge konnten sich so jederzeit hundertprozentig aufeinander verlassen. Baden-Powell überzeugte -und führte- indem er Vorbild war, so machte er schwierige Aufgaben seinen Auszubildenden selbst vor.
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1897 erhielt er den Auftrag in Südafrika eine Expedition als Vergeltungsschlag gegen den Ashanti-Häuptling Pempreh zu unternehmen, der nicht nur gegen die englische Kolonialherrschaft rebellierte, sondern auch Mitglieder seines eigenen Volkes als Sklaven verkaufte oder als Menschenopfer bei rituellen Handlungen hinschlachten ließ. Dort, auf der Fährte des flüchtenden Pempreh lernte Baden-Powell von befreundeten Eingeborenen ihre besonderen, selbst ihm unbekannten Methoden der Jagd, des Spurenlesens, der Orientierung, der Urwaldmedizin und ähnlicher Waldläuferkünste kennen. Nach einiger Zeit verstand er sich in diesen Dingen sogar besser als seine Lehrmeister. Während dieser Jagd schrieb er nachts sein Buch "Aids for Scouting" (Hilfen zum Pfadfinden), in dem er all seine gelernten Dinge niederschrieb. Als das Buch 1897 fertig war, gelang es Baden-Powell endlich den Häuptling gefangenzunehmen, doch er ließ ihn nicht hinrichten, Blutvergießen war Baden-Powell ein Greuel. Der Häuptling zog ins Exil - und wurde ein Freund und Verehrer des Mannes, der ihn überwunden hatte.

1899 wurde Baden-Powells Buch veröffentlicht und vom englischen Generalstab als allgemeine Ausbildungslektüre für Offiziere empfohlen. Im selben Jahr brach der Burenkrieg aus, in dem Baden-Powell in einer Stadt namens Mafeking von mehreren Tausend Soldaten umzingelt wurde. Mit List und Tücke gelang es ihm sich aus dieser Falle zu befreien und die Stadt zu verteidigen. Er rekrutierte alle Jungen, die in dieser Stadt lebten und bildete sie für leichte Aufgaben zur Verteidigung aus. Auch mit ihrer Hilfe gelang es ihm die 217 Tage über, bis die Stadt von englischen Soldaten befreit wurde, die Stellung zu halten. Das besondere daran war, daß zu dieser Zeit alle Erwachsenen dachten, Jugendliche seien nutzlos und könnten es nur durch strenge Erziehung zu etwas bringen. Baden-Powell wurde wegen seines Vertrauens zum Idol der Jugend. Viele von ihnen hatten sich in England sein Buch gekauft, was Baden-Powell misfiel, da es ein militärisches Buch war und er als friedensliebender Mensch nicht wollte, daß es in die Hände von Kindern geriet. Er plante ein neues Buch für Jugendliche zu schreiben. Doch zuerst musste er noch weitere Aufgaben für sein Land meistern.
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Er bekam den Auftrag eine berittene Schutzpolizei für Südafrika zu gründen und auszubilden. Diese wurde bald zu einer weithin berühmten Elitetruppe. Sie trugen einen breitrandigen Filzhut, ein Halstuch und ein Khakihemd.

1907 begab er sich nach einer längeren Zeit daran sein Werk anzugehen. Doch vorher wollte er weitere Erfahrungen in der Jugenderziehung machen. Deshalb trommelte er insgesamt 22 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammen. Er begab sich mit ihnen auf eine Insel und schlug dort seine Zelte auf. In der Mitte des Lagers flatterte die Fahne von Mafeking. Er teilte die Jungen in kleine Trupps zu je 5 Mann ein. Der jeweils älteste wurde zum Patrouillenführer ernannt und übernahm die volle Verantwortung für das Handeln seiner Leute.

Um sich seiner neuen Aufgabe voll und ganz widmen zu können ließ sich Baden-Powell in seinem 50. Lebensjahr pensionieren und wurde Jugendführer. Zu dieser Zeit gelang es ihm endlich sein Buch "Scouting for Boys" zu schreiben. Es erschien in einzelnen Kapiteln in der Zeitschrift "The Scout" in England. Nach dieser Veröffentlichung schlossen sich mehr und mehr Jungen der Pfadfinderbewegung an.

1909 als Baden-Powell eine Urlaubsreise nach Südafrika unternahm stellte er zu seiner Verwunderung fest, daß sich dort eine Pfadfindergruppe gebildet hatte, die entsprechend seines Buches organisiert war. Er nahm diesen Pfadfindern offiziell das Versprechen ab und erklärte sie zur ersten ausländischen Pfadfinderorganisation. Er erkannte, daß sich ihm die Chance bot diese Bewegung in die ganze Welt zu tragen. Im selben Jahr besuchten einige englische Pfadfinder Deutschland, wo es auch bereits reges Interesse der Jugend an dem Pfadfindertum gab.
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Baden-Powell sah zwei Tugenden als die wichtigsten an: Die Ritterlichkeit und die Liebe zu Gott. Er sah diese beiden in einer legendären Gestalt vereint: im Ritter St. Georg, den er 1909 offiziell zum Schutzpatron der Pfadfinder erklärte, "weil er unter den Heiligen der einzige Ritter war".

Noch in diesem Jahr richtete er ein großes Pfadfindertreffen im Londoner Kristallpalast aus. Bei diesem Treffen standen ihm mit den Worten "Wir sind Girl Scouts, Mister Baden-Powell" plötzlich eine Schar von Mädchen gegenüber, die ebenfalls die Pfadfindertracht trugen. Der General war begeistert, daß sich seiner ursprünglich nur für Jungen gedachten Organisation nun auch Mädchen anschließen wollten, und er ging sofort daran, Gruppen von Pfadfinderinnen zu gründen. Es entstand eine von der Jungenorganisation streng getrennte Gruppe von "Girl Guides", da die gemeinschaftliche Erziehung von Jungen und Mädchen damals noch undenkbar war. Da aber Baden-Powell keine Erfahrung mit der Erziehung von Mädchen hatte, hing diese Organisation zunächst ohne eine Führung ein wenig in der Luft. Das änderte sich, als er im Jahre 1912 seine 22jährige Frau Olave St. Clair kennenlernte. Sie war so begeistert von der Idee des Pfadfindertums, daß sie im Jahre 1916 die Führung der englischen Girl Guides übernahm.

Im selben Jahr kam Baden-Powell die Idee, die Pfadfinder in zwei Altersgruppen aufzuteilen, um deren Ausbildung dem Alter entsprechend ausrichten zu können. So entstanden die "Wölflinge" (bis zum 11. Lebensjahr) und die eigentlichen Pfadfinder, die mindestens 12 Jahre alt sein sollten. Seit 1919 gibt es die Rover (19-21 Jahre).

1916 bekamen die Pfadfinder von einem schottischen Landedelmann den Gilwellpark bei London als Ausbildungszentrum für Scoutmaster (Erwachsene, die die Führung einiger Patrouillen im Gesamten übernahmen) geschenkt. Die ersten Pfadfinderführer, die dort einen Lehrgang erfolgreich abschlossen, erhielten ein sonderbare Auszeichnung: zwei Holzstückchen, die sie an einer Lederschnur um den Hals tragen durften. Diese Lehrgänge werden heute nach dem Holzabzeichen auch Woodbadge-Ausbildung genannt (wood = Holz, badge = Abzeichen).

Beim ersten internationalen Pfadfindertreffen (Jamboree) im Jahre 1920 wurde Baden-Powell zum ersten und einzigen "Chief Scout of the World" (oberster Weltpfadfinderführer) ausgerufen.

1929 wurde der Name des Parks, Gilwell auch Bestandteil des Namens von Baden-Powell, als ihn der König zum Lord adelte. Fortan hieß er: Lord Baden-Powell of Gilwell. Damals war er 72 Jahre alt.

1930 wurde Lady Olave Baden-Powell zur "Chief Guide of the World" (oberste Weltpfadfinderführerin) ernannt, die sie bis zu ihrem Tode am 26.06.1977 blieb.

Von diesem Jahre an bis 1937 reisten die beiden Baden-Powells in der ganzen Welt umher um Pfadfinder zu besuchen. Lord Baden-Powells letzter großer Auftritt war bei dem Jamboree in Holland, bei dem er sich offiziell verabschiedete. Danach zog er sich in sein Haus zurück, wo er kurz vor seinem Tode einen Abschiedsbrief an die Boy Scouts und Girl Guides der ganzen Welt schreib. Am 08.01.1941 starb Baden-Powell. Jungen und Mädchen standen in ihrer Pfadfindertracht auf dem Friedhof von Nyeri, 6 Scoutmaster trugen den Sarg. Britisch Offiziere salutierten. Dem letzten Wunsch des Verstorbenen entsprechend, wurden keine gros-sen Reden gehalten, nur eine Trompete blies den Pfadfinderpfiff. Auf Baden-Powells Grabstein befindet sich ein Kreis mit einem Punkt darin. Es ist eines der internationalen, nur Pfadfinder bekannten Wegzeichen, mit denen sich die Mitglieder der Bruderschaft über alle Sprachbarrier-en hinweg verschlüsselte Nachrichten geben können.

Diese Nachricht Baden-Powells heißt: "Ich habe meinen Auftrag erfüllt und bin nach Hause gegangen."

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